Wirtschaft

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Wirtschaftsleben: Kultur und Unternehmen
Marburg lebt nicht nur von den großen Playern Universität und Pharmastandort. Vielmehr sind es die Vielfalt unserer Wirtschaft und die Kleingliedrigkeit der Oberstadt, die Charme und Stärke unserer Stadt ausmachen. Diese Chance müssen wir nutzen, umsetzen und daran das Handeln der Politik ausrichten. Wer eine gute Idee hat, muss sie einfach und schnell umsetzen können. Sei es eine kulturelle oder unternehmerische. Für uns gehören Kultur und Wirtschaft fest zusammen. Sie befruchten sich gegenseitig und bringen Vorteile für beide Seiten. Nur durch die hohen Einnahmen in der Gewerbesteuer können wir uns so manche Kulturausgabe leisten. Und nur weil wir so eine hohe Kulturdichte und – vielfalt haben, ist Marburg als Wohnstandort beliebt. Dasselbe gilt für Marburg als Tourismusort.
Unternehmen
Klein und Groß gehen in der Wirtschaftspolitik Hand in Hand: Neben den vielen kleinen innovativen Unternehmen lebt Marburg auch vom großen Pharmastandort. Diesen attraktiv zu halten, ist Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung in den Punkten Verkehr, Wohnen und Kultur. Aber Marburg darf sich nicht mehr zu sehr und fast ausschließlich auf Pharma konzentrieren, sondern unsere Stadt muss sich breiter aufstellen. Marburg muss auch für andere Industrie- und Gewerbezweige attraktiv werden.
Ein Gewerbepark auf den Lahnbergen halten wir für eine sehr gute Idee, auch um einen neuen und alternativen Gewerbestandort anbieten zu können, zumal dort schon eine gute Straßeninfrastruktur vorhanden ist. Auf den Lahnbergen könnte neben einem Gewerbepark ein neues Wohngebiet mit Einkaufsmöglichkeiten entstehen. Auch das Monette-Gelände würde Möglichkeiten für die Ansiedlung von neuem Gewerbe und für neue Wohngebäude bieten. Tourismusförderung ist kein Selbstzweck: Wichtig ist ein Zusammenspiel von Gastronomie, Kultur und Verkehr, um eine zielgerichtete, effektive und nachhaltige Stärkung des Tourismusstandortes Marburg zu erreichen. Unsere Stadt lebt von der Kleinteiligkeit ihrer Angebote. Gerade auch für Tagestouristinnen und Tagestouristen ist Marburg ein beliebtes Ziel. Deswegen sind möglichst viele verkaufsoffene Sonntage hier ein wichtiger Baustein. Stadtmarketing darf nicht nur lokal und regional gedacht werden, sondern muss größer erfolgen: Wir setzen uns für einen deutschlandweiten Zusammenschluss von Städten ähnlicher Größe und Struktur ein. Der Standortfaktor einer lebendigen Universitätsstadt mit historischem Altstadtkern ist unser Markenkern. Dies lässt sich zusammen (z.B. mit Städten wie Göttingen, Greifswald, Erlangen und Tübingen) besser bewerben als alleine. Hierbei steht neben dem touristischen Aspekt auch die langfristige Attraktivität Marburgs als Wohn -, Studien – und Wirtschaftsstandort im Vordergrund.
Gründungen
Neue Ideen brauchen auch Raum zur Verwirklichung. Marburg bietet ein einzigartiges Ambiente für die Entfaltung von Innovationen. Wir wollen die Digitalwirtschaft ins Fachwerk holen. Die Ideen des expandierenden Fachbereichs Informatik müssen in Marburg bleiben und dürfen nicht in andere Großstädte abwandern. Die Stadt muss attraktiver für eine moderne Gründerkultur werden. Neue Unternehmen sollten in ihren ersten Gründerjahren keine Gewerbesteuer zahlen müssen und darüber hinaus muss die Infrastruktur an wichtigen Industriestandorten ausgebaut werden. Zur Attraktivität der Stadt für Gründerinnen und Gründer gehört auch die Unterstützung von smarten Projekten wie Co-Working-Spaces. Die Stadt muss hierbei die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer schaffen, solche Konzepte selbst zu verwirklichen.


Kultur
Gute Ideen brauchen Raum. Oft scheitert eine Kulturveranstaltung nicht an den Menschen, die Ihre Ideen verwirklichen, sondern an geeigneten Räumen: eine digitale Plattform für offene Kulturräume kann private und staatliche Akteure an einen Tisch bringen. Dabei sind nicht nur klassische Veranstaltungsräume einzubeziehen, sondern auch Werkstätten, Ateliers, Innenhöfe oder Fabrikhallen. Durch die Nutzung von neuen Flächen kann auch kleineren, innovativen Anbietern von kulturellen Veranstaltungen, die bisher keine Bühne haben, Raum gegeben und das kulturelle Programm erweitert werden. Bisher ideologisch abgeschottete Räume wie in den soziokulturellen Zentren sollen dadurch einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stehen können und besser genutzt werden. Das Landestheater hat eine Leuchtturmfunktion in der Marburger Kulturlandschaft, ist aber auch ein großer Posten im Haushalt. Realistische Möglichkeiten der räumlichen Ausstattung, sowie eine funktionierende Haustechnik sollten hier vor einem Neubau aus Prestigegründen stehen. Auch der Bildungscharakter eines klassischen Theaters muss noch stärker betont werden und die Zusammenarbeit mit Schulen ausgebaut werden. Daneben spielen kulturelle Begegnungen eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Sie übernehmen eine integrative Funktion und schaffen Akzeptanz für unterschiedliche Lebensmodelle.
Für uns gilt: was wir haben, soll erhalten werden. Aber wir können uns keine Neubauten und Prestige-Objekte leisten. Das Projekt „VielRaum“ sehen wir kritisch. Dabei wird eine vollwertige Vermietung eines Ladenlokals in der Oberstadt nur vorgegaukelt und als Erfolg verbucht. In Wirklichkeit handelt es sich meistens um steuerfinanzierte Raumnutzungen (z.B. durch das Landestheater), ohne langfristige, echte Perspektiven hinsichtlich eines sich selbst finanzierenden Gewerberaummieters. Wir sind der Auffassung, dass digitale Potenziale im Kulturbereich stärker genutzt werden können. Es braucht eine Verbesserung des digitalen Veranstaltungskalenders sowie des digitalen Auftritts von Kulturstätten. So können beispielsweise digitale Rundgänge oder interaktive Ausstellungen deren Sichtbarkeit verbessern und den Zugang erleichtern. Ein Behring-Museum fehlt. Marburg hat eine lange Geschichte in der Erforschung und Produktion von Impfstoffen – und eine große Zukunft. Ein solches Museum hätte einen hohen Bildungsanspruch und würde zugleich eine starke Säule unserer Wirtschaft würdigen. Es wäre sinnvoll, eine umfangreiche Behring-Ausstellung zumindest im Schloßmuseum bzw. in einem künftigen Stadt-Museum anzubieten.
Marburg sollte einen Bund und Austausch mit anderen schönen historischen Universitätsstädten in Deutschland und Europa (z.B. Bamberg, Tübingen, Padua) anstreben.